Dienstag, 5. Mai 2015

Du zeigst mir deine Brüste.

Du stehst da, mitten im Gedränge.
Schaust mich an,  mit diesem hassgetränkten Blick.
Dann hebst du dein Shirt und zeigst mir deine Brüste.
Mir
Einer anderen Frau.
Und verlangst dafür Respekt. Von mir. Von den Männern. Von der Welt.
Du verlangst, dass ich dich mehr respektiere, weil ich dich fast gänzlich nackt gesehen habe.
Verlangst, dass ich dir zuhöre und dir helfe, deine Stimme zu erheben.
Die Stimme gegen die vermeintliche Unterdrückung.
Die Stimme, die jeden Mann der Vergewaltigung und des Missbrauchs bezichtigt,
ohne Wenn und Aber, ohne jede Achtung.
Aber ich will nicht.

Deine Brüste lenken mich ab.
Sie schreien mir zu, dass in dir ein kleines, unsicheres Mädchen steckt, das eigentlich gar nicht verstanden hat, worum es geht.
Das nur mitplärrt, weil es sonst Angst hat, wie immer weder gehört, noch gesehen zu werden.
Ich will nicht.

Dich respektieren für das, was du ungefiltert einfach übernimmst, würde bedeuten,
dass ich deinen Unsinn toleriere und ihn noch dazu akzeptiere.
Ich will nicht.

Ich will nicht zu einer Gruppe dazugehören, die im Kopf so leer ist, wie ihre Vorhaltungen.
Haltlos.
Wie deine Brüste, die du mir immer noch zeigst.
Ich respektiere jeden, der für wirkliche Gleichberechtigung steht. Humanist.
Die den Mund aufmachen und die Wahrheit sprechen.
Sie haben es nicht nötig, jemanden zu erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen,
weil sie verstanden haben, dass es keine höhere Stufe gibt.
Und vor allem müssen sie mir nicht ihre Brüste dafür zeigen, dass ihre Worte an Gewicht gewinnen.
Sie wiegen auch so.

Du siehst also, dass mein Lächeln für dich keineswegs von Respekt zeugt.
Denn den zolle und schulde ich dir nicht.
Du kannst dein Shirt wieder herunterziehen, dann steigt die Respektschwelle gleichzeitig mit an.
Und dann können wir reden.

Du missdeutest mein Lächeln und reckst mir deine gehobenen Daumen entgegen.
Ich schüttle den Kopf. Bin mir nicht sicher, ob man deine Leere noch füllen kann
Und du stehst weiter da, mitten im Gedränge.
Bedeutest mir mitzumachen, weil ich auch Brüste habe, die man zeigen könnte.

Ich will deinen falschen Respekt nicht.
Ich will nicht.

Dienstag, 26. August 2014

Bwah



Heuchler. Heuchler überall. Überall von man hinsieht.
Moralapostel, Mitläufer, laut plärrende Blindgänger, die nur einen Schritt nach Vorne sehen, und dabei das Gesamtbild und Prioritäten aus den Augen verlieren. Mir wird einfach nur schlecht, wenn ich das Geschrei so ansehe.
Vielleicht mache ich mir jetzt ein paar Feinde. Aber das geht mir hinten an London vorbei, wenn ich ehrlich bin, weil mich dieses furchtbare Verhalten nur noch wütend macht.

Es ist immer so leicht, rumzumeckern, wie ein kleines Kind zu plärren und laut zu sein, wenn man sich klitzekleine Teile aus einem Puzzle herauspickt und es dann unglaublich ungerecht findet, wenn man das direkt passende nicht sofort findet. Dann ist es nur noch leichter zu behaupten, das Puzzle sei unvollständig und es ist furchtbar ungerecht und gemein, dass man ein unvollständiges, fehlerhaftes Puzzle vorgesetzt bekommt.

Zuerst gibt es eine riesige Aufruhr, weil sich Menschen für einen guten Zweck eiskaltes Wasser über den Kopf kippen. Aufmerksam machen auf eine Krankheit, von der die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben. Von der die meisten Menschen keine Ahnung haben. Warum es Eiswasser ist? Weil man damit für einen kleinen Moment nachvollziehen kann, wie es sich anfühlt, wenn der Atem wegbleibt. Wenn die Muskeln versagen. Wenn die Panik einsetzt. Die erste Argumentation : Wasserverschwendung. Kinder in Afrika sterben, weil sie nicht genug Wasser haben. Wir müssen sparen.
Achja? Wir müssen sparen? Wenn ich hier Wasser spare, kommt dann das kleine Afrikaflugzeug und nimmt meine gesparten Eimer Wasser mit rüber und schenkt sie einem armen Kind? NEIN. Was diese lautplärrenden Babies dann auch nicht wissen, ist, dass das Kanalsystem und unsere Kläranlagen versagen, wenn nicht soundsoviele Liter Wasser durchfließen und dass es teilweise schon sehr kritische Zustände gegeben hat. Wer also Wasser sparen möchte, kann dann demnächst den netten Nachbarn fragen, ob er sich viellet gerade in sein persönliches Ökosystem entleeren möchte und kann – denn das wird uns erwarten, wenn das System versagt! Vielleicht verbrauchen wir im Durchschnitt ein bisschen zuviel, aber zuviel Sparen und Geschrei und Panik erreicht das Gegenteil. 

Die zweite Argumentation, die jetzt breitgetreten wird, ist das Anführen der Tierversuche. Um hier gleich ungerechtfertigte Anschuldigungen im Keim zu ersticken: Ich bin definitiv GEGEN Tierversuche. Vor allem die, die nicht unbedingt sein müssen, wenn sich Leute schwarze Farbe um die Augen schmieren wollen. Und wenn jemand meinem Hund zu nahe kommt, werde ich ihm garantiert was ausreißen, das er sehr vermissen wird. Aber sehen wir uns doch auch mal hier das größere Bild an, bevor wir mal wieder den Hals nicht zu schnell frei kriegen:
Jeder von uns, aber auch jeder, hat innerlich Heidenangst vor.. Ebola. Aids. Krebs. ALS. MS… und all den furchtbaren Krankheiten, die einen von jetzt auf gleich befallen können, ohne dass man effektiv dagegen etwas tun kann. Sogar den Umgang mit Diabetes hat man Schweinen zu verdanken! Wenn ihr eine Fall von so einer Krankheit in der Familie, im engsten Umkreis habt, dann wird niemand mehr dagegen pochen, sondern mit allen Mitteln versuchen, irgendwo ein bisschen Hilfe herzubekommen, um sich verzweifelt an etwas klammern zu können, um das Leben zu verlängern. Oder stell dir bloß vor, es trifft DICH. Du kriegst deine Diagnose morgen. Da fragst du nicht, wo deine Medikamente herkommen, du bist bloß froh, wenn es etwas gibt, dass dich eventuell vor Leiden bewahrt. Denn darum geht es hier: Schadensbegrenzung und Prioritäten setzen .
So gemein das klingt, und so sehr ich Tiere liebe, der Mensch ist immer noch wichtiger als das Tier. Wenn ein Haus brennt und du die Wahl hast, deinen Mann, deine Kinder, oder deinen Hund zuerst rauszuholen, dann wird der Hund als letzter geholt. Ich sage nicht, dass der Hund nicht geholt wird, er wird eben nur später geholt. Es gibt Dinge, die wichtiger sind. Vielleicht sind wir irgendwann so weit, dass man Tierversuche einschränken kann, aber noch sind sie unerlässlich im Kampf gegen Schmerz, Leid und Tod. Wer so unendlich dagegen ist, kann sich auch freiwillig zum Testen melden. Niemand, der da draußen etwas braucht, möchte ungetestete Medikamente und Seren zu sich nehmen und womöglich noch irgendetwas Schlimmeres bekommen.

Wenn neben dir dein Kind qualvoll und langsam erstickt, weil du dagegen bist, dass ALS genügend erforscht wird, weil sie Tiere brauchen, um voranzukommen, dann glaube ich nicht, dass all dein Geschrei, dein Geplärre, dein kindisches „Ich-guck-nur-auf-heute“-Verhalten dir im Endeffekt genützt hat. 

Es ist unglaublich einfach, zu Dingen aufzurufen, wenn man nicht unmittelbar betroffen ist, und nicht das gesamte Gemälde betrachtet. Aber stell dir doch einfach einmal vor, das wärst du. Die Mutter, mit dem betroffenen Kind. Die Frau, mit dem betroffenen Mann. Der Mann, der seine Frau zu Grabe trägt, nachdem er ihren Todeskampf hautnah erlebt hat. Der Sohn, der seinem Vater nicht mehr richtig Lebewohl sagen konnte, weil irgendwie alles zu schnell ging.
Dann würdest du dir wünschen, es hätte Lösungen und Hilfen gegeben. Egal wie. Egal womit. Egal mit welchen Mitteln.

Heuchler. Heuchler überall.

Sonntag, 27. April 2014

Why, oh why.


Die, die am meisten Trost spenden, sind meist die, die innerlich am einsamsten sind.

Die, die nach außen so seltsam scheinen, haben oft die meiste Liebe zu geben.

Woran liegt es, dass wir so schnell mit einem Urteil bei der Hand sind, wenn etwas außerhalb unserer Normalitätsgrenze liegt?

Wo sind die Chancen, die wir für uns selbst einräumen und wahrnehmen wollen, wenn wir sie selbst den anderen stehlen?

Wir leben in einer Welt der Doppelstandards, des Egozentrismus und der angespitzten Ellenbogen. Die Welt macht mich unendlich traurig und das meiste Leid ist hausgemacht.

Denkt nach, bevor ihr urteilt. Denkt nach, bevor ihr sprecht.

Montag, 17. Februar 2014

Over 9000?


Wie dankbar bin ich eigentlich?

Ich komme mir zwischendurch ziemlich dankbar vor, aber im Nachhinein betrachtet befinde ich mich in diesen Situationen auf einem Hochsitz. Ich begreife nicht wirklich, worum es geht. Ich sehe nicht viel Bewahrung, weil ich mein Augenmerk darauf lenke, wo ich vermeintlich alleine meine Spuren in den Sand gedrückt habe.

Umso überwältigender ist ein Moment des Realisierens. Der Aufmerksamkeit auf die Tiefe der Spuren und dem Bemerken, dass diese nicht von mir stammen können. Meine Füße sind viel kleiner und meine Abdrücke um Längen nicht so tief.

Ich möchte weinend auf die Knie sinken und um mehr SICHT bitten. Und vor allem auch um mehr NachSICHT. Mein Denken und meine Aufmerksamkeit sind so klein und eingeschränkt, und ich maße mir an, mich auch noch zu beschweren? Alle diese Fehler, die mich an Abgründe bringen, alle diese sind selbstverschuldet. Und dennoch lasse ich Bitterkeit zu und versuche die eigene Unzufriedenheit auf ein unschuldiges Ziel zu lenken.

Wie dankbar bin ich also eigentlich?

Ich bin erschreckend undankbar. Jeden Tag, jede Stunde, jede Zeit. Ich beweihräuchere mich selbst und klopfe mir anerkennend auf die Schulter, wenn ich „Danke“ sagen kann und stehe dabei im Schatten und lasse das Licht nicht an mich heran. Wo bleibt da die Demut? Die EinSICHT, dass ich nur für einen atomaren Teil dankbar bin, weil ich die Fülle durch Egoismus und Eingeschränktheit ignoriere?

Wie dankbar bist du? Klopfst du dir auch manchmal mit der vermeintlich fremden Hand auf die Schulter, wenn du vorher selbst drauf saßt und sie nur zur Fremden machtest? Bist du aufmerksam genug, um auch größere Teile von Dankbarkeit ausdrücken und zulassen zu können?

Donnerstag, 16. Januar 2014

Get up stand up.. Stand up for your rights!

Ich bin eine Frau.
Ich habe eine Stimme.
Eine Stimme, die ich erheben kann.
Eine Stimme, die mich dazu befähigt, auszudrücken, was ich will und was ich fühle.
Ich habe das Recht, das zu tun, was ich für richtig halte.
Ich darf Karriere machen und mich auf mich selbst konzentrieren, wenn ich das möchte.
Aber weißt du was?
Ich darf auch Zuhause bleiben und mich darum kümmern, dass meine Familie läuft, wenn ich das möchte.
Warum schaust du schief und ungläubig, wenn genau das meine eigene Art von Karriere und Selbstverwirklichung ist?
Und warum fängst du an zu lächeln, wenn ich dir sage, dass das für mich viel erstrebenswerter ist, als jede Karriereleiter, die ich hinauf klettern könnte?

DU redest von Selbstbestimmung der Fau und versuchst mir hinter meinem Rücken nur deine eigene Ansicht zu indoktrinieren.
DU willst die Unterdrückung und das Diktat aufheben und zwängst mich mit der anderen Hand in deine Vorstellungen und das, was du meinst, was eine Frau im Heute tun und sein sollte.
DU erteilst Entscheidungsfreiheit, und wenn ich mich dann entscheide und das nicht dem entspricht, was du hören willst, fängt die endlose Diskussion über Emanzipation an.
DU heuchelst Verständnis und versuchst nicht einmal wirklich zu verstehen,
worauf es UNS wirklich ankommt.
Schreist lauthals als Mann und der kleine Junge in dir weint.
Es gibt gute Gründe, warum Frauen keine Männer sind.
Und es gibt gute Gründe, warum Männer keine Frauen sind.
Wir sind unterschiedlich und das ist okay.
Wir ergänzen uns und das ist noch besser.

Ich bin eine Frau.
Ich habe eine Stimme.
Eine Stimme, die ich erheben kann.
Eine Stimme, die mich dazu befähigt, auszudrücken, was ich will und was ich fühle.
Und das tue ich.
Ich fordere wahre Selbstbestimmung für jede Frau, das zu tun, was sie für richtig erachtet.
Ohne dass ein emanzipierter Mann hinter ihr steht und mit dem vermeintlichen Gesetzbuch der Frauenrechte ein Opfer auf dem Altar der Freiheitsillusion bringt.

Ich bin eine Frau.
Ich habe eine Stimme.
Und die erhebe ich.

Dienstag, 14. Januar 2014

Kunstzeiten


Vor meinen geschlossenen Augen malt mein Herz ein Bild
Die Konturen erscheinen, zunächst zart, dann wild

Möchte sie einfangen, die Schönheit, in ganzer Pracht
Möchte sie festhalten, behalten, mit aller Macht

Das Bild, das zerrinnt, entgleitet den Händen
Fließt durch die Zeit, erscheint mir an Wänden

In jedem Riss setzt es sich fest
Erinnert mich täglich, gibt mir den Rest

Berührt alle Fasern, Nerven- jedes- Ende
Vibriert und hallt nach, es spricht nur noch Bände

Streckt sich und reckt sich, macht sich ganz lang
Denkt stetig nach, wird nicht mehr bang

Sehnt sich nach Nähe, greift in die Leere
Ach wie schön, wenn ich nun bei dir wäre.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Scherbenchaos


Tap tap tap

Es war das unverkennbare Klatschen von nackten Fußsohlen auf das unerbittliche Pflaster, das in der Nacht verhallte. Die, die es hören konnten, schlossen die Vorhänge vor den Fenstern zu und das Geräusch damit zu gleicher Zeit aus.

Tap tap tap

Sie lief und lief. Ihre Füße fast an der Grenze zu zerschunden und blutig. Ihr Blut schnell und rauschend in ihrem Körper, ihren Ohren, laut und hörbar, ungleichmäßig. Sie keuchte. Sah ihren eigenen Lebensodem wie feinen Nebel vor ihrem Gesicht auftauchen und schnell wieder verschwinden. Schritt für Schritt ließ sie ein Stück von sich selbst hinter sich zurück. Ihre Lunge brannte, suchte gierig und verzweifelt nach genug Luft, um die Kraft zu behalten. Ihre Füße schmerzten, doch sie lief ungnädig weiter. Ließ den Schmerz hinter sich, verlief den Schmerz ihres Körpers, den Schmerz ihrer Seele in der Dunkelheit. Langsam ging der Mond hinter ihr auf, tauchte die unwirkliche Szenerie inmitten einer glasigen Winternacht in eisiges Unlicht. Gegen den Himmel erhoben sich die Zweige des nackten Waldgeästs vor der Stadt wie überlange, suchende Hände.

Tap tap tap

Der Nebel ihres Atems verband sich mit dem Nebel, der über den Boden kroch. Er griff mit seinen kalten Dunstfingern nach ihren Haaren, ließ sie gehen und doch nicht los. Er war überall, in ihr, auf ihr, unter ihr. Unaufhaltsam trugen ihre Beine sie weiter. Der Schmerz grenzenlos und doch bald unspürbar. Verdrängt, versteckt, überlagert von den Schmerzen in ihrem Innersten. Jede Faser schrie in die Nacht, schrie nach Erlösung, schrie Hoffnung, schrie nach dem Licht, das schon so lange fort war. Eine Seele in Scherben, ein Herz in Stücken, das Innerste ein einziges Scherbenchaos.

Tap tap tap

Sie ließ die Menschensiedlung und den nachtgetränkten Wald hinter sich, floh über leere Einöden, wohlwissend und bestimmend, wohin ihr Weg sie führen würde. Ihr Ziel in greifbarer Nähe und doch noch so fern. Der Mond schien zu lächeln, wies ihr den Weg, doch anteilnahmslos und kalt. Der Frost legte sich über den Nebel, ließ ihn verschwinden, versinken in kristallinen Formen und Farben, legte sich auf sie, betäubte den äußeren Schmerz noch mehr, nahm jegliche Empfindung von ihr. Für einen Moment herrschte Erleichterung in der ganzen Ebene, bis das

Tap tap tap

Die Stille des Untages wieder zerriss. Es war das unverkennbare Klatschen von nackten Fußsohlen auf dem gefrierenden Boden des gelebten Tages. Schritt für Schritt ließ sie etwas von sich zurück. Verlor sich im stetigen Rhythmus des Laufens, dem Rhythmus ihres Keuchens und dem lauten Pochen des eigenen Pulses im kochenden Lebenssaft ihrer Adern. Alles verband sich zu einer einzigen Lebensmelodie, traurig, melancholisch, sehnsüchtig. Es schwoll in der Luft an, erreichte unhörbare Atmosphären und verhallte doch unbemerkt und ungehört. Der stumme Schrei ihrer zerbrochenen Existenz. Ein ewiger Kreislauf, den sie zu durchbrechen suchte. Sie lief weiter.

Tap tap tap

Begleitete sie treu den ganzen Weg über, gab ihr die Kraft weiterzugehen, auch wenn es gleichzeitig die Kraft nahm. Umgarnte sie, umgab sie, verhüllte ihre Gestalt in frostiger Klarheit unter den leuchtenden Gestirnen höherer Sphären. Streiflichter einer dunklen Vergangenheit umflogen de Kopf gegen den Himmel, krochen zäh aus ihren Poren, blieben an der kalten Oberfläche. Fielen ab, fielen zu Boden und blieben zurück. Sie lief und legte alles ab, weswegen sie rannte. Wurde zum bloßen Sein einer nackten, gebrochenen Existenz, ein Wesen ohne wirkliches Bewusstsein. Sie wusste, dass sie rannte, weil es etwas gab. Weil es etwas gegeben hatte. Etwas, das ihr das Leben geraubt hatte. Das sie tot zurückließ. Tot und geschunden.

Tap    tap                tap

Ihre Schritte verlangsamten sich. Unverkennbar das Klatschen nackter Fußsohlen auf nun mehr felsigem Grund. Das Ziel kam immer näher, ihr Mut brach sich Bahn. Fast mit Genuss legte sie die letzte Entfernung hinter sich, erreichte ihr Ziel und fiel.
Während des Fallens legte sich ein Lächeln von Erleichterung auf ihr Gesicht.
Die Erlösung war erreicht.
Endlich.

Tap tap tap